3,9 Prozent Entgelterhöhung im SHK-Handwerk BW

Der Fachverband Sanitär Heizung Klima Baden-Württemberg und die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) einigten sich auf einen neuen Tarifvertrag. Die Tarifpartner haben sich auf eine deutliche Anhebung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen verständigt.

Der Tarifabschluss sieht in Summe eine Erhöhung von 3,9 % des tariflichen Grundentgelts bei einer Laufzeit von 24 Monaten ab 01.05.2021 vor.

Löhne und Gehälter

–       Ab 01.05.21      +2,4 %

–       Ab 01.05.22       +1,5 %

Ausbildungsvergütung

–       Ab 01.09.21      + 5,0 %

Zusätzlich konnte der TV über besondere Ausbildungsanstrengungen (Prämie für gute Leistung) für weitere drei Jahre einvernehmlich fortgeschrieben werden, ebenso die Jahressonderzahlung für alle Beschäftigten einschließlich der Azubis für das Jahr 2021 konnte auf dem bewährten Niveau beibehalten werden.

Der neue Tarifvertrag wurde ohne Erklärungsfrist geschlossen. Daher ist er für alle Mitglieder der CGM unmittelbar gültig.

Mit diesem Tarifergebnis konnte aus Sicht der CGM während einer unsicheren Corona bedingten Wirtschaftslage ein wirklich gutes Ergebnis für alle Beschäftigten im Baden-Württembergischen SHK-Handwerk erreicht werden.

Im Fachverband Sanitär-Heizung-Klima (SHK) Baden-Württemberg sind 47 Innungen mit rund 3.200 Handwerksbetrieben des Installations- und Heizungsbaus, der Klempnerei, des Ofen- und Luftheizungsbaus sowie des Behälter- und Apparatebaus zusammengeschlossen. Mit seinen rund 48.902 Beschäftigten erwirtschaftete der Handwerkssektor im Jahr 2019 einen Jahresumsatz von rund 5,77 Milliarden Euro. Mehr als 4.558 Lehrlinge erhalten zurzeit eine Ausbildung in den SHK-Handwerken.

Auf dem Bild sind zu sehen auf der linken Seite Bernd Fuller ( Innung SHK Karlsruhe-Bruchsal) und auf der Rechten Seite Andreas Bemerl (CGM-Landesvorsitzender BW).
Bernd Fuller (Innung SHK Karlsruhe-Bruchsal),
Andreas Bemerl (CGM-Landesvorsitzender BW)
Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW

Forderung des Landesverbandes Baden-Württemberg der CGM zur Tarifrunde 2021 in der Metall- und Elektroindustrie

I.          Entgeltforderung

  • Wir fordern mindestens 3,5 % Lohnerhöhung für die ersten 12 Monate und 2 % für die weiteren 6 Monate bei einer Fünftagewoche.
  • Zwecks Altersabsicherung fordern wir eine Verdoppelung des Arbeitgeberanteiles der Altersvorsorgewirksamen Leistungen (AVWL) um 26,59 Euro auf 53,16 Euro. Darüber hinaus fordern wir eine Verdoppelung der AVWL bei Azubis von 13,29 Euro auf 26,59 Euro.
  • Sofern Unternehmen Gewinnausschüttungen oder Boni an Anteilseigner auszahlen, sollen 1.5% des EBIT “N” bzw. mind. 200 Euro auch den Mitarbeitern als Erfolgsbeteiligung ausbezahlt werden.
  • Es sollen alle Arbeitgeber den steuerrechtlich begünstigten Corona-Bonus an Ihre Mitarbeiter auszahlen.

    II.          Work-Life-Balance

  • Der Arbeitnehmer soll – wo es möglich und umsetzbar ist – einen Rechtsanspruch darauf haben, mindestens 25 % der Arbeitszeit mobil zu arbeiten. Wer nicht mobil arbeiten möchte, soll auch weiterhin ein Recht auf einen Präsenzarbeitsplatz haben.
  • Die Wahlmöglichkeit aus dem T-Zug (Freie Tage oder tarifliches Zusatzentgelt) soll für alle Arbeitnehmer geöffnet werden. Dies mit sofortiger Wirkung ohne Wartefristen.

  III.          Weiterbildung

  • In Zeiten der Kurzarbeit sollen zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten den Arbeitnehmer angeboten werden, um diese besser für Zukunftstechnologien vorzubereiten. Außerdem soll es ein Recht auf Weiterbildung / lebenslanges Lernen in den Betrieben geben. So soll es zum Beispiel ein Recht auf Weiterbildung im Umfang von mindestens 5 Tagen pro Jahr geben.

 IV.          Auszubildende

  • Wir fordern eine Verbesserung der tariflichen Regelung der Ausbildung. Damit sollen alle Auszubildenen, Dualstudierenden und Trainees unbefristet übernommen werden, um dem demografischen Wandel in den Betrieben entgegen zu wirken.
  • Azubis sollen – ergänzend zum Bildungszeitgesetz – 5 Tage pro Jahr Anspruch auf zusätzliche Fortbildungen bei zertifizierten Bildungsträgern und vollem Lohnausgleich erhalten.
  • Wir fordern einen pauschalen Fahrtkostenzuschuss durch die Unternehmen für Azubis – unabhängig von der Mobilitätsform.

   V.          Tarifabschlüsse

  • Die Mindestlaufzeit der Tarifabschlüsse sollte 18 Monate betragen.
Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW

Gegen Arbeitsplatzabbau und Arbeitsplatzverlagerung nach China bei Daimler!

Daimler plant den Kahlschlag am traditionsreichen Fertigungsstandort Berlin Marienfelde. 2.000 Arbeitsplätze will Daimlerchef Ola Källenius in Berlin-Marienfelde abbauen lassen. Bei insgesamt 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern käme das einer Werkschließung gleich.  Die CGM protestiert mit dieser PM entschieden gegen dieses Vorgehen, denn die Daimler AG partizipiert wie selbstverständlich an den gerade beschlossenen Milliardenhilfen der Bundesregierung für die deutsche Automobilindustrie, während man gleichzeitig in der Konzernleitung ganz unverblümt Arbeitsplatzvernichtung und Lohnkürzungen für Hunderttausende durchziehen will. Darüberhinaus werden neue Produktionsstätte für Daimler in China aufgebaut und damit zahlreiche Arbeitsplätze von Deutschland nach China verlagert!

Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW

Pressemitteilung

CGM informiert: Konzernchef Källenius macht mit seinen angekündigten Plänen zur Jobvernichtung bei Daimler ernst!

Der Daimler-Konzernchef Ola Källenius hatte seine Absichten und Planungen in kleinen Runden bereits vor geraumer Zeit angekündigt: Er will die Gewinnschwelle um 10 bis 15 Prozent senken und dafür die Kosten ebenfalls entsprechend drücken. Dazu lässt er zurzeit weltweit Werkschließungen durchrechnen. Global könnten, inklusive nicht neu besetzter Stellen, bis zu 30.000 Jobs wegfallen. Jetzt hat diese Personalpolitik die Kolleginnen und Kollegen in Marienfelde bei Berlin getroffen. Källenius macht ernst“, so ein Daimler-Aufsichtsrat nach Berichten des Manager-Magazins, „der zieht das jetzt durch.“ Einzelheiten über das radikale Sparkonzept hatte der Daimler-Chef bereits Ende Juli dem Aufsichtsrat vorgestellt. Källenius will vor allem beim Personal einsparen, insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro bis Ende 2022!

Diese drastischen Reduzierungspläne des Daimlerchefs haben jetzt auch das Mercedes-Werk in Berlin-Marienfelde erreicht. Rund 2.000 Arbeitsplätze will der Daimlerchef in Berlin-Marienfelde abbauen lassen. Bei insgesamt 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern käme das einer Werkschließung gleich.

Die CGM protestiert entschieden gegen dieses Vorgehen, denn die Daimler AG partizipiert wie selbstverständlich an den gerade beschlossenen Milliardenhilfen der Bundesregierung für die deutsche Automobilindustrie, während man gleichzeitig in der Konzernleitung ganz unverblümt Arbeitsplatzvernichtung und Lohnkürzungen für Hunderttausende durchziehen will.

Die Konzernleitung betreibt im Augenblick unverhohlen die Auslagerung wichtiger Teile der Produktion und der damit verbundenen Arbeitsplätze nach China. Man will mit Modellen, die speziell auf die Bedürfnisse der chinesischen Kunden zugeschnitten sind, darunter Elektrofahrzeuge der Mercedes-Benz Marke EQ, weitere Anteile des chinesischen Marktes erobern. Mit der Marschroute, Made in China for China“ tätigt Daimler gerade zusammen mit dem chinesischen BAIC-Konzern Investitionen von über 11,9 Milliarden RMB (circa 1,5 Milliarden Euro), um die Produktionsstätten in China weiter ausbauen zu können. Persönlich. Menschlich. Nah.

Dabei handelt die Konzernleitung bei Daimler frei nach dem Motto: In Deutschland nehmen wir gerne staatliche Fördermittel in Anspruch, bauen zugleich konsequent deutsche Arbeitsplätze ab und tätigen zeitgleich große Investitionen für den weiteren Ausbau der chinesischen Produktionsstätten. Mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers wird hier von der Daimler AG technisches Know-how verschoben und hierzulande dringend benötigte Arbeit ins Billiglohnausland verlagert.

So hat die Daimler AG gerade im Zuge der Sparmaßnahmen bei den Personalkosten alle unbefristeten 40-Stunden-Arbeitsverträge gekündigt. Davon betroffen sind eine Zahl an Mitarbeitern im vierstelligen Bereich. An für sich wäre diese, ab April 2021 geltende Angleichung an die tariflich geregelte wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche gewerkschaftlich unbedingt zu begrüßen, würde diese auch bei vollem Lohnausgleich erfolgen. So aber handelt es sich nur um eine schlecht bemäntelte unsoziale Lohnkürzung in wirtschaftlich schwieriger Zeit.

Die soziale Dissonanz im Daimlerkonzern ist damit deutlich gesetzt. Dazu passt auch der angekündigte Wechsel des Mercedes-Werksleiters in Marienfelde zu Tesla in Grünheide. Die CGM kritisiert scharf, dass während es für die Beschäftigten um die Rettung ihres Standorts und ihrer wirtschaftlichen Existenz, also auch den Lebensstandard ihrer Familien geht, hat sich das Daimler- Management bereits jetzt schon aus der Verantwortung gestohlen und beruflich das Weite sucht.

Die CGM kommentiert diesen Wechsel dahingehend, dass bei allem Verständnis für persönliche Karriereentscheidungen nachhaltige Führungsverantwortung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten grundsätzlich anders gehandhabt werden muss! Die CGM fordert jetzt entschieden vom Daimler Vorstand ein schlüssiges Konzept, wie es mit dem Werk und an den übrigen bedrohten Standorten weitergehen soll. Die CGM wird um den Erhalt jedes Arbeitsplatzes kämpfen und sich dabei auch entschieden gegen jede Form des Lohn- und Sozialabbaus wenden!

Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW

Positionspapier: CGM Baden-Württemberg gegen Extremismus

Als CGM stehen wir mitten in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bestmöglich zu schützen und zu vertreten.

Als Teil unseres demokratischen, pluralistischen Staates sehen wir uns dem Grundgesetz und der demokratischen Grundordnung verpflichtet und werden für diese mit Entschiedenheit einstehen. Auch halten wir die soziale Marktwirtschaft als richtigen Kompromiss zwischen den Systemen, dies haben wir mit unseren Würzburger Thesen festgeschrieben.

Den demokratischen Werten verpflichtet, wenden wir uns ausdrücklich gegen jede Art von Extremismus! Unabhängig, ob dieser von links oder rechts kommt!
Menschen, die sich nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik identifizieren können, fordem Wir entschieden auf unsere Gewerkschaft zu verlassen. Eine Zusammenarbeit mit Akteuren, die vom Verfassungsschutz beobachtet oder sogar als „verfassungsfeindlich“ eingestuft werden, lehnen wir entschieden ab.

In der Christlichen Gewerkschaft Metall soll jeder willkommen geheißen werden, der die freiheitlich-demokratischen Werte der Bundesrepublik anerkennt, ungeachtet seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen. Getreu unserem Leitspruch Persönlich, Menschlich, Nah!“

Der Landesvorsitzende

Andreas Bemerl

Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW

I, Robot: Die Rolle von Weiterqualifikation während des Strukturwandels in der Automobilindustrie

Die Automobilindustrie ist im Wandel und somit auch die Anforderungen an ihre Arbeitnehmer. Um diesen Wandel mitzugehen, wird viel Anpassungsfähigkeit bei allen Akteuren gefragt sein. Insbesondere den Arbeitnehmern in der Produktion wird hierbei viel abverlangt. Aber im Gegenzug werden nur wenig Weiterbildungsmöglichkeiten geboten, um diese Herausforderung zu meistern. Wir fordern jetzt sofort die Einrichtung umfassender Weiterbildungsmaßnahmen, insbesondere für die Beschäftigten in der Produktion.

Laut einer Studie der Strategieberatungsfirma Oliver Wyman wird jeder 2. Arbeitsplatz durch Digitalisierung in der Automobilindustrie entweder von Arbeitsplatzabbau bedroht sein oder es wird eine Weiterbildung zur Ausführung dieser Tätigkeit von Nöten sein.

Zu einer ähnlichen Prognose kam einer Studie der MHP, ein Tochterunternehmen der Porsche AG (MHP 2017). Demnach führen rund 46% der Mitarbeiter in der Automobilindustrie aktuell eine Tätigkeit aus, die bis 2030 vollautomatisiert sein wird. Diese Studie untersuchte inwiefern bestimmte Berufsfelder von einer sogenannten Automatisierungsrate bedroht sind und welche Weiterbildungsqualifikationen gefragt sind, um das jeweilige Berufsbild weiterhin für den Arbeitgeber attraktiv zu halten. Auf Basis dieser Studie werden im Folgenden verschiedene Berufsbilder im Zusammenhang mit ihrer Automatisierungsrate beschrieben:

Laut dieser Studie ist der Beruf Monteur von einer 86 %- Automatisierungsrate gefährdet. Der Grund dafür ist der Einsatz von höher entwickelten Robotern sowie Technologien aus dem Bereich der Digitalisierung, um die Produktionseffizienz zu steigern. Dazu würden unter anderem Transportroboter zählen, welche zur Unterstützung der Arbeit von Monteuren eingesetzt werden, indem sie die Fahrzeugteile bereitstellen die der Monteure anschließend einbaut. Ein weiteres Beispiel sind „[…] kontextsensitive Assistenzsysteme […]“. Diese Systeme (Stichwort Künstliche Intelligenz) entwickeln sich selbstständig weiter und optimieren Prozesse. Dahingehend wird den Monteuren dringend geraten, sich um Weiterbildung in IT und Technologie zu bemühen. Von besonderer Wichtigkeit ist hierbei Wissen rund um den Einsatz von Robotiksystemen.

KFZ-Mechaniker und Karosseriebauer sind von einer 65%-Automatisierungsrate betroffen. Ihnen wird vor allem geraten sich im Bereich Automobilelektronik weiterzubilden, da der Bereich rund um Car-Entertainment zunimmt.

iStock-1153003888.jpg

Im Gegensatz ist der Beruf als Produkt- und Entwicklungsingenieur mit einer 3.4 %-Automatisierungsrate wenig gefährdet. Technologien aus dem Bereich Digitalisierung spielen in diesem Beruf eher eine unterstützende Rolle, wie zum Beispiel die „Augmented-Reality-Brillen“. Nichtdestotrotz werden die Anforderungen im Bereich IT gerade in diesem Berufsbild zunehmen und permanente Weiterbildung ist unerlässlich für einen fachgerechten Umgang mit intelligenten Systemen.

Die Automatisierungsrate des Arbeitsplatzes eines Fertigungsdisponent/ Fertigungsplaner liegt bei fast 35 %. Durch sogenannte EPR (enterprise resource planning) Softwareprogramme werden Ablaufe wie Materialflüsse aber auch Termine automatisch angepasst. Diese automatisierten Arbeitsabläufe werden „Prozess-/ Workflows“ genannt. Fertigungsdisponenten/ Fertigungsplaner sollten deshalb Weiterbildungen in Produktionstechnologien anstreben. Diejenigen in diesem Beruf, die über ein Fachabitur verfügen, sollten ein Studium in Digital Services und vor allem in EPR in Erwägung ziehen.

Besonders betroffen von einem 80%-Automatisierungsrisiko ist der Beruf des Ausbesseres und Ausschneiders. Alle für die Produktion wichtige Informationen werden automatisch eingespeichert und dementsprechend dann im Produktionsprozess verwendet. Durch ihre künstliche Intelligenz passen sich die Maschinen automatisch an die Produktion selbst bei Anomalien an. Auch Kundenaufträge werden automatisch an die Produktionsmaschinen weitergereicht. Dementsprechend bleibt als Tätigkeit für Ausbesserer und Ausschneider nur die Überwachung der Maschinen sowie die Ausführung von Korrekturen bzw. die Überprüfung übrig. Eine Ausnahme werden hierbei nur noch Sonderanfertigungen aus dem Premiumbereich sein, die auch in Zukunft von Hand ausgeführt werden müssen.

Die Automatisierungsrate im Arbeitsbereich des Lagerarbeiters und Materialbereitstellers liegt aufgrund neuer Digitalisierungstechnologien bei 56% vor allem im Bereich Robotiksystem. Dementsprechend sollten sich Lagerarbeiter im Bereich Warenwirtschaftssysteme und EPR weiterbilden.

Sehr stark von der Automatisierung betroffen sind die Arbeitsbereiche der technischen Sachbearbeiter mit einer Rate von 94 %. Ursachen für die hohe Automatisierungsrate ist die Einführung von EPR und Self-Service-Portale. Big Data treibt diese Entwicklung voran, da Arbeitsvorgänge wie die Prüfung von Rechnungen auf Grundlage großer Daten zeitnah per Algorithmen durchgeführt werden. Nur bei Anomalien greifen die Mitarbeiter noch ein. Mittlerweile sind allerdings die Softwareprogramme so weit entwickelt, dass diese auch den Ausfall von Maschinen ausgleichen können. In diesem Berufsfeld ist eine Weiterbildung unabdingbar. Gerade Kenntnisse in IT oder Fremdsprachen sind hierbei gefragt, um sich beispielsweise zu einem IT-Kaufmann oder einem internationalen Sachbearbeiter ausbilden zu lassen.

Am wenigsten bedroht ist das Berufsfeld des Projektleiters mit einer Rate von 1,4%. Dieses Berufsbild ist unter anderem geprägt von kreativen sowie sozialen Tätigkeiten. Diese können momentan noch nicht von Algorithmen übernommen werden.

Es lässt sich zusammenfassen, dass die Automobilindustrie im Wandel ist und damit sind es auch die Arbeitsplätze: Bestimmte Berufsbilder werden im Rahmen der Industrie 4.0 auslaufen, wobei die Premiumproduktion hierbei eine Ausnahme bildet. Gleichzeitig entstehen andere Berufe, wie zum Beispiel „Data Scientists“.

Es ist ersichtlich, dass die einflussnehmenden Akteure in der Automobilindustrie, Politik, und Verbände sich dieser Entwicklung bewusst sind aber bisher nur unzureichend darauf reagiert haben.

Deshalb fordern Wir folgendes:

Erstens in Zeiten, in denen sich die Industrie durch Digitalisierungstechnologien so schnell verändert, gilt es ein gesetzlich garantiertes Recht auf Weiterbildung einzuführen. Gerade für Arbeitnehmer aus dem Produktionsbereich in der Automobilindustrie ist das Angebot an Weiterbildung zu gering. Seitens der Arbeitgeber bzw. der Politik werden die Pläne für Ausbildungsberufe („apprenticeship“) an die aktuelle, technische Entwicklung angepasst. Aber Weiterbildungsmöglichkeiten für Arbeitnehmer aus der Produktion, die nicht zur Babyboomergeneration gehören aber schon länger ihre Ausbildung abgeschlossen haben, werden im Bereich Weiterbildung kaum berücksichtigt.

Zweitens fordern Wir das Angebot an Weiterbildungs-Kurse für Arbeitnehmer aus der Produktion massiv zu erweitern. Besonders Kurse im Bereich der Produktionssysteme, Warenwirtschaftssysteme oder Fahrzeugelektronik wären sinnvoll anzubieten. Zum Beispiel sollten Programmierungskurse für Nicht-Informatiker angeboten werden, um ein Grundverständnis für den Einsatz von Software in PKWs aufzubauen.

Drittens verlangen Wir das Angebot an Sprachförderung für Englischsprachige Fachausdrücke speziell für Arbeitnehmer aus der Produktion grundlegend auszubauen. Schließlich werden Begriffe von Smart factory, Predictive Maintenance zu Augmented Reality Dashbard im alltäglichen Gebrauch in allen Bereichen der Automobilindustrie verwendet.

Schließlich verlangen Wir das Freistellungs-Modell für Lehrer in Baden-Württemberg (§ 69 Landesbeamtengesetz (LBG)) auf die Automobilindustrie zu übertragen; Das heißt die bezahlte Freistellung zur Beruflichen Weiterqualifizierung. Beispielsweise könnte ein Vollzeitmodell angeboten werden, in dem der Beschäftigte drei Jahre lang 75% seines Gehaltes erhält, um sich daraufhin im 4. Jahr für die Ausbildung zum Meister oder Techniker bezahlt freistellen zu lassen und ebenfalls 75% des Gehalts zu beziehen. Dabei sollten die Krankenversicherung und Beihilfe während der gesamten Zeit unberührt bleiben.

Die Welt der Automobilindustrie wird sich in den nächsten zehn Jahren in einer bisher ungekannten Geschwindigkeit verändern. Die Ängste der gesamten Arbeitnehmerschaft können ein Stück weit aufgefangen werden, indem auf vielfältige Art und Weise Möglichkeiten zur Weiterbildung ausgetestet werden. Hierbei kann die Digitalisierung eine erhebliche Rolle spielen.

Anmerkung:

Um die Lesbarkeit zu erhöhen wird auf die Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. In diesem Sinne gelten sämtliche Personenbezeichnungen gleichermaßen für alle Geschlechter.

Quellen:

Wyman, Oliver (2018): Presseinformation. Mitarbeiter der Zukunft: Die Automobilindustrie muss handeln. https://www.oliverwyman.de/content/dam/oliver-wyman/v2-de/media/2018/Pressemitteilungen/Kompetenzwandel-in-der-Automobilindustrie_PM_OliverWyman.pdf (Abgerufen: 01.03.20)

MHP (Management- und IT-Beratung GmbH) (2017): Robots wanted: Der Einfluss der Digitalisierung auf die Workforce in der Automobilindustrie. https://www.mhp.com/fileadmin/www.mhp.com/assets/downloads/studien/MHPStudie_Workforce_Digitalisierung.pdf (Abgerufen 02.03.20).

BLV-BW (Verband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen in Baden-Württemberg e.V.) (2012): SPEZIAL Freistellungsjahr („Sabbatjahr“) Freistellung vom Dienst von längerer Dauer nach § 69 Landesbeamtengesetz (LBG). https://blv-bw.de/wp-content/uploads/2019/10/BLV_Spezial_01-2011Sabbatjahr.pdf (Abgerufen: 07.03.20).

Baden-Württemberg. Landesrecht BW Bürgerservice Landesbeamtengesetz (LBG)
(2010): §69 Teilzeitbeschäftigung. http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&query=BG+BW+%C2%A7+69&psml=bsbawueprod.psml&max=true#:~:text=(1a)%20Beamtinnen%20und%20Beamten%20auf,1.&text=(3)%20W%C3%A4hrend%20der%20Elternzeit%20(,im%20Interesse%20des%20Dienstherrn%20liegt. (Abgerufen am: 07.03.20).

Sage Advice (O.A.): Beschreibung im Lexikon. Enterprise Resource Planning. Wo findet Enterprise Resource Planning Anwendung? https://www.sage.com/de-de/blog/lexikon/enterprise-resource-planning/ (Abgerufen 07.03.20).

Veröffentlicht am
Kategorisiert in CGM BW